Als kleines Mädchen lernte ich Blockflöte spielen. Meine Eltern förderten meine musikalische Ader stark. Manchmal gab es Konzerte mit den anderen Schülern der Flötenschule in unserem Haus.

Meine acht Jahre jüngere Schwester spielte ebenfalls Blockflöte. Zum Entzücken aller Erwachsenen hatten wir unsere kleinen Auftritte z.B. an Weihnachten, als Engel verkleidet.

Auf dem Bild hier im Kurhaus Ochs zum Weihnachtsessen. Da ich die Gäste an diesem Abend auch als Kellnerin bedient habe, ist hier nur meine Schwester verkleidet.

 

 

Später wollte ich ein Instrument dazulernen. Liebend gerne hätte ich das Klavierspielen erlernt, doch mochte mein Vater die Klavierklänge nicht. So habe ich mich für die Querflöte entschieden. Einfach stellte ich mir das vor, wo ich doch bereits das Blockflötenspiel beherrschte. Doch war dem gar nicht so. Es bedarf doch viel mehr Technik, aus der Querflöte auch schöne Klänge hervorzubringen. Hartnäckig wie ich bin, blieb ich dran und schaffte es schliesslich, das wunderbare Instrument zum Klingen zu bringen und auch bei Konzerten des Schulorchesters mitzuspielen.

Fasziniert von der Musik entschied ich mich, Musikwissenschaften zu studieren. Zu dieser Zeit ergab es sich, dass ich in kleinerem Kreise mit anderen Musikern zu Jam Sessions und ähnlichem zusammenkam. So auch mit meinem Kommilitonen Burkhard, mit dem ich die musikalische Begleitung zu einer Vernissage entwarf. Ein Stück, das wir damals komponierten, spiele ich heute noch: Marché français.

Schon lange hegte ich den Traum, in einem Wohnmobil durch die Lande zu reisen und von Strassenmusik zu leben. Als ich 1995 auf Werner traf, der diesen Traum klasse fand, überlegte ich nicht lang, warf das Studium hin, löste in Deutschland alles auf und zog mit ihm los. Wir starteten in Portugal, wo wir uns über den Winter ein Repertoire aus einfachen Stücken wie „Greensleeves“, „El Condor pasa“ oder „Tränen lügen nicht“ aufbauten. Im kommenden Frühjahr brachen wir auf über Spanien nach Frankreich, wo wir den Sommer verbrachten. Im Herbst tingelten wir dann wieder nach Südspanien um den Winter in Almería zu verbringen.

Zeitweise spielte ich alleine, um auch mein klassisches Repertoire darbieten zu können. Da ich damals mehrere Stunden täglich übte hatte ich ein sehr hohes Niveau. Im Winter nahm ich Unterricht bei einem spanischen Flötenlehrer. Er fand es eine Schande, dass ich auf der Strasse spielte und meinte, ich müsse unbedingt ans Konservatorium gehen – doch ich blieb lieber bei meinem Strassenmusikerinnen-Dasein.

So publizierte zweimal eine Zeitung einen Artikel über mich. Auf dem Foto aus der Carcassoner Zeitung schaue ich so böse, weil ich mich gerade nerve, dass da wieder einer mit einem riesigen Objektiv vor mir steht und Aufnahmen von mir macht, ohne zu fragen.

Es war eine abenteuerliche Zeit, nicht immer einfach, doch war das Gefühl von Freiheit sehr stark. Man lernte die Einheimischen doch auf eine ganz andere Art und Weise kennen, als wenn man als Tourist unterwegs ist.

Nach knapp drei Jahren reisten wir nach Deutschland zurück und integrierten uns ins „normale“ Leben. Der Alltag holte uns schnell ein, Berufsleben und sonstige Verpflichtungen nahmen immer mehr Zeit in Anspruch. So legte sich meine Flöte schlafen und ich spielte ziemlich genau 20 Jahre lang nicht mehr.

2018 lernte ich Gio kennen. Er reanimierte mein Flötenspiel. Immer wieder denke ich an seine Worte: „Du musst doch nicht spielen, wie du damals gespielt hast. Spiel doch so, wie du heute spielst.“ Seine Freude war gross, als ich ihm einige Tage später eine Audioaufnahme sendete. 🙂 Es hat mich sehr erstaunt, wie schnell ich in das Flötenspiel zurückgefunden habe, wie leicht es mir fiel, die Stücke von früher wieder zu spielen.

So spiele ich immer, wenn sich mein Herz danach sehnt – ohne Druck, auf die Art und Weise, auf die ich heute spiele.

Eine Weile habe ich beim örtlichen Orchesterverein mitgespielt. Mit diesen ist das Video unten beim Adventskonzert 2019 entstanden.

Im Orchester gibt der Gesamtklang aller Instrumente die schöne Musik, wenn man die Stücke zu Hause für sich übt, klingt es nicht schön. Ich brauche das Flötenspiel für den Ausgleich nach angespannten Arbeitstagen oder sonstigen Anstrengungen. Es tut meiner Seele gut. Da eignen sich die Flötenstimmen für Orchesterstücke nicht so gut. So gab ich es wieder auf, im Orchester mitzuspielen.

Doch spiele ich immer noch gern in Kirchen und geniesse die grossartige Akustik. Ab und an nehme ich mein Spiel mit dem Handy auf und stelle dann ein Video auf meinen YouTube Channel. Inzwischen hat sich dort schon ein schönes Portfolio gebildet. Unten meine Lieblingsstücke.

Musiker Wohlen

Gerade habe ich mich bei Musiker-in-deiner-Stadt.ch angemeldet. Vielleicht finde ich so Musiker in der Nähe, die Lust haben, mit mir zu musizieren?

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