Tinkturen herstellen

Wenn die Pflanze soweit ist, dass du sie ernten kannst – hierzu habe ich unter Heil- und Gewürzpflanzen sowie unter Pflanzen setzen mehr geschrieben – hast du schon ein gutes Stück Arbeit geleistet. Bravo!

Das Herstellen von Tinkturen ist sehr vielfältig: welche Teile der Pflanze sind zu verwenden, wie hochprozentig der Alkohol, in den sie eingelegt werden, welchen Alkohol man verwendet usw. Auf dieser Seite werde ich nicht auf die verschiedenen Pflanzenarten eingehen, sondern kurz auf die Methoden eingehen, die ich mir angeeignet habe. Ich schlage selbst immer in Christian Sollmanns Pflanzliche Urtinkturen und hömoöpathische Mittel selbst herstellen nach. Hier sind wertvolle Details zur Herstellung von Urtinkturen verständlich beschrieben.

Wenn du eine Tinktur herstellen möchtest, überlege dir, zu welchem Zweck du diese gebrauchen möchtest und wie lange sie haltbar sein soll. Ich stelle Tinkturen i.d.R. aus Weingeist her, da so eine nahezu unbegrenzte Haltbarkeit entsteht. Ausserdem zieht Alkohol die meisten Bestandteile aus den Pflanzen. Eigentlich kann man sagen, je hochprozentiger der Weingeist, desto mehr Bestandteile aus der Pflanze löst er. Allerdings gibt es auch Pflanzen, wie z.B. die Viola, die gern behutsamer behandelt werden um ihren Geist in der Tinktur zu hinterlassen.

Da man die Informationen der Pfanze und ihren Geist in der Tinktur binden möchte, sollte man als Basis eine Flüssigkeit mit möglichst wenig Informationen nehmen. Eine völlig Informationsfreie Basisflüssigkeit wird man leider nicht finden.

Für manche Leiden ist die Urtinktur aus Alkohol zu aggressiv. Hier brühe ich mir eine kleine Menge Aufguss auf, die ich relativ zügig aufbrauche, da die Haltbarkeit nicht sehr lange ist.

Grundsätzlich ist auf Sauberkeit zu achten. Arbeitsfläche, Werkzeuge, Gefässe und Hände müssen beim Erstellen von Tinkturen immer sauber sein.

Ansetzen und Reifen der Tinktur

Im Folgenden beschreibe ich, wie ich eine Urtinktur der Viola Tricolor herstelle und gebe auch einige allgemeine Tipps. Wenn du Pflanzen konservieren noch nicht gelesen hast, dann hole das am besten jetzt nach, denn hier findest du viele grundlegende Tipps, die dir bei jeglicher Art der Konservierung von Pflanzen nützlich sind – auch bei der Herstellung von Urtinkturen.

Als erstes zupfe ich behutsam die Blüten der Viola Tricolor. Vielleicht denkt der eine oder die andere, es sei schade, die Blüten der wunderschönen Pflanze zu nehmen, doch macht euch keine Sorgen: Sie macht neue Blüten.

Den Zeitpunkt, die Blüten zu zupfen wählte ich, nachdem es in der Nacht geregnet hatte, denn so zarte Blüten, wie die der Viola Tricolor wasche ich nicht, bevor ich sie einlege. Mehr über den richtigen Zeitpunkt der Ernte der Pflanzen habe ich auf der Site Pflanzen konservieren beschrieben. Robustere Pflanzen wasche ich zuerst und lasse sie dann antrocknen, bevor ich sie einlege.

Nun befülle ich ein Einmachglas mit frischem Deckel mit den Blüten. Du kannst auch ein ausrangiertes Konfitürenglas oder ähnliches verwenden. Dann solltest du eine Klarsichtfolie zwischen Glas und Deckel tun, denn ein einmal gebrauchter Deckel wird nie wieder richtig sauber und wir wollen ja ein möglichst informationsfreies Ambiente für unsere Urtinktur..

Nun befülle ich das Glas mit 50%igem Weingeist. Die Blüten müssen vollständig mit Weingeist bedeckt sein. Mit einem Glasrührstab durchmische ich die Lösung behutsam. Wenn du keinen Glasstab zur Hand hast, verwende einen Plastiklöffel. Metall ist zu vermeiden, wie ich auf der Site Pflanzen konservieren geschrieben habe.

Die Pflanzenteile sollten möglichst vollständig mit Weingeist bedeckt sein, so ist sichergestellt, dass sich bei herausragenden Pflanzenteilen kein Schimmel bildet. Allerdings ist das nicht immer möglich, da leichte Pflanzenteile sich gern nach oben drücken. Da sie sich aber mit Alkohol vollsaugen, erhöht dies die Haltbarkeit.

Das Glas mit einem Deckel dicht verschliessen. Vor allem bei mit Weingeist angesetzten Tinkturen ist ein dichter Deckel wichtig, da sich der Alkohol gern verflüchtigt.

Die Lösung muss nun ein paar (mindestens vier) Wochen an einem dunklen, warmen und trockenen Ort stehen. Ich achte darauf, dass Strahlenquellen (z.B. Internet Router mit WLAN) nicht in unmittelbarer Nähe stehen, damit die Pflanze ungestört von elektronischer oder sonstiger Strahlung ihren Geist in die Lösung überführen kann.

Schaue regelmässig nach der werdenden Tinktur und bewege das Glas behutsam, damit sich die Lösung mit den Pflanzenteilen neu durchmischt. So vermeidest du auch, dass sich Schimmel bildet, wenn Pflanzenteile aus der Flüssigkeit herausragen. In der ersten Woche bewege ich das Glas mit der Lösung einmal täglich. In der zweiten Woche alle zwei Tage, in der dritten Woche etwa alle drei Tage und in der vierten Woche zwei Mal. Wenn ich die eingelegte Pflanze länger stehen lasse, bewege ich einfach ab und an einmal.

Die Tinktur der Viola Tricolor hat in ihrem Werdegang nicht viel Farbenspiel. Recht schnell wird die Lösung leicht grün und verändert sich mit der Zeit nicht stark

Andere Tinkturen können ein sehr aufregendes Farbenspiel haben. Z.B. die Belladonna: Hier zerdrücke ich die Kirschen im Alkohol, die Lösung wird zunächst violett, schon am nächsten Tag verblasst die Farbe und wird dann bräunlich. Die Hyperikum-Tinktur wird zunächst Blutrot, bis sie dann ebenfalls bräunlich wird. Die Tinktur von Pulmonia officinalis wird erst grell grün, bevor auch sie sich bräunlich einfärbt.

Einzig die Tinktur aus den Beeren des Solanum dulcamara hat ihre rötliche Farbe behalten. Alle anderen haben schlussendlich eine bräunliche Färbung bekommen.

Filtrieren der Lösung

Nun ist die Lösung bereit, filtriert zu werden. Um die groben Pflanzenteile zu entfernen, giesse ich die Lösung zunächst in einen Plastiktrichter mit integriertem Sieb in ein Glasgefäss. Ihr könnt auch gern ein  grobes Baumwoll-Gazetuch benutzen, wenn ihr keinen derartigen Trichter habt. Bitte verwendet auch hier kein Metallsieb.

Je nach Pflanze bzw. Zerkleinerungsgrad habe ich nun schon eine ziemlich reine Tinktur. Um feinste Partikel auch noch herauszufiltern, nutze ich einen Glastrichter, in den ich ein Papierfilter einlege. Glastrichter sowie Papierfilter kannst du in einem Apothekenbedarf kaufen. Als Auffanggefäss verwende ich bereits die Flasche, in der ich die Tinktur schlussendlich aufbewahren möchte.

Als Aufbewahrungsgefässe für meine Urtinkturen verwende ich Glasflaschen aus Braunglas. So sind die Lösungen auch durch die Flasche bereits vor zu starkem Lichteinfall geschützt.

Hier brauchst du nun Geduld, denn je mehr Rückstände sich im Papierfilter bilden, umso weniger durchlässig ist er. Je nach Menge der Rückstände, sickert die Tinktur irgendwann nur noch tröpfchenweise durch den Filter. Wenn möglich verzichte ich auf einen Austausch des Filters um nichts von der wertvollen Tinktur zu vergeuden, mit der sich ein neuer Papierfilter vollsaugen würde.

Wenn auch der letzte Tropfen in die Flasche getropft ist, folgt die Beschriftung. Hier bin ich präzise und notiere folgendes auf das Aufbewahrungsgefäss:

  • Pflanzenname auf lateinisch – die deutschen Namen sind nicht immer eindeutig
  • verwendete Pflanzenteile
  • Alkoholgehalt des verwendeten Weingeistes in Prozent

Last not least ist natürlich auch der Aufbewahrungsort für die Urtinkturen wichtig. Dieser sollte dunkel und trocken sein.

Werdegang einer Urtinktur aus Schöllkraut

Für die Schöllkraut Urtinktur verwendet man am besten sowohl das ganze Kraut, als auch die Wurzel. Das Kraut nimmt man bestenfalls, wenn die Pflanze in ihrer vollen Kraft steht, also im Frühsommer. Die Wurzel nimmt man optimalerweise im Herbst (Oktober) oder im Frühjahr (Februar/ März). So stelle ich die Tinktur also in zwei Phasen her:

  • Die Lösung aus der ganzen Pflanze setze ich im Frühsommer an, filtriere die Lösung nach einigen Wochen und bewahre sie im Ansatzglas auf.
  • Im Herbst nehme ich die Wurzel und gebe sie in die aus dem Kraut gewonnene Lösung. Ebenfalls nach ein paar Wochen filtriere ich die Lösung und erhalte so die vollständige Urtinktur.

Es ist auch möglich, dass nicht genug Pflanzenteile zur Verfügung stehen, um die Tinktur in einem anzusetzen. Z.B. wenn ihr eine Tinktur aus Blüten herstellen möchtet, die aber erst nach und nach anfangen zu blühen. In solchen Fällen setze ich erst einen kleinen Teil der Tinktur an und sammle dann jeden frühen Morgen die neu erblühten Blüten um sie der Tinktur hinzuzufügen. Den Alkohol giesse ich dann ebenfalls täglich nach, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind.

Wie schon vorab gesagt, gibt es etliche Vorgehensweisen, wie man Tinkturen herstellen kann. Wichtig ist, das heilende Prinzip der Pflanze nicht zu zerstören und den Geist der Pflanze möglicht lebendig in ein neutrales Lösungsmittel zu überführen.

Bist du neugierig geworden? Dann mach es doch wie ich: Besorge dir ein Kräuterbuch und fang auf deine eigene Art an, Tinkturen zuzubereiten. Für deinen eigenen, privaten Bereich kannst du dir ja deinen eigenen Stil erarbeiten. Diesen kannst du beibehalten, aus Erfahrungen lernen und dich Weiterentwickeln.

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